Freitag, 29. Januar 2010

die besprochene Sammlung



Peter Trachsel findet Sammler ,je eineN in jeder der 14 Gemeinden, die mich in ihre Sammlung lassen (von egalwas), eine Nacht bei ihnen verbringen lassen ( kann, muss nicht unbedingt sein) und mit mir über ihre Sammlung sprechen (muss auch nicht unbedingt sein).
Sie erhalten dafür einen Text zu ihrer Sammlung und ein in eigens für sie zurechtgeschnittenes Buch.
Birgit Kempker


3.Besuch bei Sonja Luck

Dienstag, 16. Juni 2009

die Reise durch das Prättigau


Der Mann mit dem Tisch (boris Nieslony) auf dem Weg nach Jenaz.

Freitag, 17. April 2009

Boris Nielsony


zwischen dem 12.und 22. Juni 2009 werde ich einen, nicht zu grossen Tisch schultern, mir auf den Rücken binden und aus dem Bahnhof Landquart treten um mich dem Prättigau zu zuwenden, und dort hin- und hinein gehen. In den 14 Gemeinden werde ich erscheinen wie ein Rhyzom des großen Projekts “ Ein Museum in Bewegung“. Auf den Weg hinauf werde ich, das kleine Museum, Ort für Ort der 14 Museumsgemeinden aufsuchen und sehen was geschieht.
Als kleines Museum hab ich die 'Exponate' in mir eingefaltet und bin als neugieriger Museumsdirektor aufgeregt, wo und was und wie und wer etwas sehen möchte.
Ausfalten, Entfalten und wieder Einfalten.

danke für das geleistete




Dienstag, 30. Dezember 2008

2009 Was für 'ne Sorte Zeit?

"So wollt Ihr mir Zeit verkaufen?"
"Zeit? Bloß so Zeit? Nein, mein Guter, das ist keine Teufelsware. Dafür verdienten wir nicht den Preis, dass das Ende uns gehöre. Was für 'ne Sorte Zeit, darauf kommts an! Große Zeit, tolle Zeit, ganz verteufelte Zeit, in der es hoch und überhoch hergeht, – und auch wieder ein bisschen miserabel natürlich, sogar tief miserabel, das gebe ich nicht nur zu, ich betone es sogar mit Stolz, denn so ist es ja recht und billig, so ists doch Künstlerart und -natur." (Thomas Mann, Doktor Faustus)





Im Jahr 2009 setzen wir das Projekt "Faden_Zeit" fort.

Zentral steht dieses Jahr die Rekonstruktion der Blumenuhr von Carl von Linné (1707 - 1778) an: Ein Jenazer Garten oder ein Stück Feld wird mit Blumen bepflanzt, deren Blüten sich zu ganz bestimmten Uhrzeiten öffnen und schliessen.


Vorbehaltlich Änderungen sind wir an folgenden Wochenenden in Jenaz:

10./11. Januar 2009
28. Februar/ 1. März 2009
4./ 5. April 2009
9./ 10. Mai 2009
12./ 13./ 14. Juni 2009

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung

Valerian Maly & Klara Schilliger
Falkenhöheweg 15, CH - 3012 Bern
T/ +41 (0) 31 301 44 42; +41 (0)79 231 66 12
valerian.maly@gmx.ch

Die Künstler





Klara Schilliger & Valerian Maly
+41 (0)79 231 66 12


ihre Gastgeber:

Sara und Sami Bill
7233 Jenaz



Die beiden heute in Bern lebenden Künstler Klara Schilliger (*1953 in Sursee) und Valerian Maly (*1959 in Tübingen) arbeiten seit 1984 gemeinsam in den Bereichen Performance Art und Installation. Für einige spezifische Werke (meist mit direktem Einbezug des Publikums) verwenden sie neuerdings den Begriff der „InstallAction“.
Die intermediären Installationen und Performances sind oft – nicht ausschliesslich – ortsbezogene Interventionen, denen projektbezogene Recherchen vorausgehen.
So entwickeln sie in der Regel für jeden Aufführungsort oder Ausstellungsraum kontextbezogene Werke, die sich in bester Tradition in intermediären Bereichen gestalten; immer mittendrin und nie dazwischen.
Im Prättigau konnten sie auf Einladung von Peter Trachsel/ dieHasena – Institut (für) fliessenden Kunstverkehr – schon zwei Arbeiten realisieren. Zum einen drehten sie 1999 mit einer Schulklasse aus Pany und einer Klasse aus Köln das Video „Pany Streifen – Köln Streifen“ (die Kinder, ausgestattet mit einer High-End-Kamera, reichten – einem Staffenttenlauf gleich – die laufende Kamera weiter und filmten ihren Schulweg), zum anderen waren sie 2004 im Rahmen von „Fremde im Prättigau“ drei Wochen in der Gegend von St.Antönien mit ihrem Projekt „Mit fremden Federn schmücken“ unterwegs (ein Klavier wurde in seine Einzelteile zerlegt, und überall dort, wo sie auf ihren Wanderungen eine Vogelfeder fanden, tauschten sie diese mit einem Klavierhämmerchen, Klaviersaite oder Dämpfungsfilz aus). Klara Schilliger und Valerian Maly bewegen sich selbstverständlich zwischen den verschiedenen Genres der Künste, ohne aber vermeintlich verlockender multimedialer Überfrachtung zu verfallen: „Es gilt einen Standort zu finden inmitten der Turbulenzen der Werte, aus denen Kunst entspringt.“ (Harold Rosenberg, The Tradition of the New, N.Y. 1960)

Nun sind wir gespannt und angespannt zugleich; gespannt, weil jeder fremde Ort viel Neues, Unbekanntes birgt, das es zu entdecken gilt, angespannt andererseits aber auch ob der Leere, gibt es doch noch keine greifbare Idee, keinen „Auftrag“, nichts wirklich Fassbares. Fernab kunstbetrieblicher Hektik kommen wesentliche Fragen auf: Braucht es Kunst – besonders hier – überhaupt, braucht es „künstlerische Interventionen“, kann nicht alles selbstgenügsam (ver)bleiben? Reflektionen, nach Innen, nach Aussen. Was wir nicht haben, auch nicht wollen: Mit einer vorgefertigten Idee im Gepäck ankommen, diese an Ort und Stelle ausführen, dem Ort überstülpen – eine Zwangsbeglückung oder Ortsmöblierung mit Kunst. Vielmehr möchten wir aus den situativen Gegebenheiten schöpfen, um daraus eine Idee wachsen zu lassen... „Nee die Ideen“... (vorwärts und rückwärts zu lesen...)„Die Leere“ – so der Philosoph Martin Heidegger in seinem Essay Die Kunst und der Raum – „ist mit dem Eigentümlichen des Ortes verschwistert und darum kein Fehlen, sondern ein Hervorbringen. Wiederum kann uns die Sprache einen Wink geben. Im Zeitwort „leeren“ spricht das „Lesen“ im ursprünglichen Sinne des Versammelns, das im Ort waltet. Das Glas leeren heisst: es als das Fassende in sein Freigewordenes versammeln. Die aufgelesenen Früchte in einen Korb leeren heisst: ihnen diesen Korb bereiten. Die Leere ist nicht nichts. Sie ist auch kein Mangel. In der plastischen Verkörperung spielt die Leere in der Weise des suchend-entwerfenden Stiftens von Orten.“
Klara Schilliger und Valerian Maly, Jenaz 06.04.08

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Traubenzeit

Jenaz_26.–28.09.08_Präsentation_Apéro

Bei spätsommerlichem Wetter (oder ist nun doch schon Herbst?) hängen wir die Kleinplakate für den Apéro an die paar über die Gemeinde verstreuten Anschlagbretter. Einmal sind sie an einem Schuppen, ein ander Mal direkt an Hauswände montiert. Übersät mit Heftklammern, Reisnägeln und kleinsten Papierfetzen künden die verwitterten Bretter von vergangenen Veranstaltungen. Hier findet sich der Seniorennachmittag neben der Ankündigung für das Dorftheater, die Pragger Buramusik hängt neben einem Plakat mit böse drein blickenden Männern in Leder- und Nierenkluft der Heavy-Metal Band Judas Priest (dass es die noch gibt, die gabs ja schon in den 70ern!!!). Vereinzelt finden sich aber auch Vermisstanzeigen von weggelaufenen Büsis oder halbgewerbliche Angebote von Landmaschinen. Ein Biker-Club plant eine zweitägige Pässefahrt und wir planen den Apéro, an dem wir die Bevölkerung über unser Vorhaben informieren wollen.

Auf unserem Spaziergang durchs Dorf stellen wir fest, dass vom ausgelegten Faden bis auf ein paar Fragmente nicht mehr viel zu finden ist. Obwohl wir vom Gemeindepräsidenten Urban Mathis informiert worden waren, dass unser Projekt nicht von allen Gemeindemitgliedern in gleichem Masse geschätzt wird, sind wir nun doch etwas irritiert. Wir sind froh, inzwischen die Gewissheit zu haben, dass der ausgelegte Faden keinerlei Risiko für Vieh und Wild darstellt. Laut Auskunft der Wiederkäuerklinik Bern fressen Kühe zwar unselektiv, der Faden werde aber mit Sicherheit beim malmen brechen. Und Dr. Brosi, Leiter des Amtes für Jagd und Fischerei Graubünden schätzt das Risiko für das Wild oder auch für Kleintiere als äusserst gering ein. Es käme schon mal vor, dass die Tiere mit Abzäunungsbändern spielen (dieses seien allerdings aus Plastik und daher reissfest), sich darin verhaspeln, er sieht aber bei dem Wollfaden nun wirklich keine Bedenken, wichtig sei einfach, dass der Faden locker ausgelegt, also nicht gespannt sei. Wir stellen uns vor, wie jemand den Faden aufgewickelt haben muss und halten schmunzelnd Ausschau nach dem ersten Paar blutrot gestrickter Socken. Um 11 Uhr haben wir uns mit Herrn Pfarrer Hesse verabredet, um uns und unsere Arbeit vorzustellen. Es ergibt sich ein angeregtes und interessantes Gespräch. Wir erfahren, warum die Kirche ausserhalb des Dorfes liegt, vermutlich eine sehr frühe Einsiedelei, erfahren aber auch, dass in Jenaz die Kirchgänger nicht mehr sehr zahlreich sind, die Gewohnheiten hätten sich eben geändert, unsere Generation fahre lieber an den Gardasee oder habe andere Verpflichtungen. Wir bitten Pfarrer Hesse, den Apéro in der Kirche anzukündigen, wozu er gerne bereit ist.  

Am Samstag arbeiten wir im alten Schulhaus und bereiten unsere Präsentation vor. Wiederum sind wir angetan von der Ruhe und der Atmosphäre, die das Schulzimmer ausstrahlt. Wir legen Bildmaterial und Texte zum Thema „Faden_Zeit“ aus und präsentieren das „Jenazer Taschentuch“ und unsere Edition mit Anteilschein zum roten Faden. Im Auftrag der Gemeinde kaufen wir Wein, Käse und Brot. Das verschafft uns auch Einblick in einen imposanten Käsekeller: Im „Schlössli“ - einem städtisch anmutenden Palais inmitten stattlicher Strickhäuser - wird in den Kellergewölben, hinter dicken Mauern Käse von den Jenazer Alpen Alpnova und Larein gelagert. Frau Luzi führt uns durch die Gewölbe, erklärt uns die verschiedenen Reifestadien der Käse und erzählt vom Haus und dessen Erbauer.

Am Sonntag nun ist es soweit. Die Fenster werden noch mit Transparentfolien beklebt, auf denen sich Wörter wie „Zeitkappe“, „Fadenzähler“ und „Zeitirrlicht“ vor die Landschaftsausschnitte schieben. Der Um Viertel nach elf treffen die ersten BewohnerInnen von Jenaz im alten Schulhaus ein. Nach einer kurzen Einführung – wie immer schweifen wir auch ab – erläutern wir unsere „Faden_Zeit“, unsere verschiedenen Vorhaben. Auffallend, besonders in dieser Jahreszeit, sind ja in Jenaz die üppigen und liebevoll gepflegten Gärten. Und so planen wir ab nächstem Jahr auch einen gärtnerischen Beitrag zu leisten, in dem wir eine Rekonstruktion von Carl von Linnés Blumenuhr in einem Jenazer Garten anlegen. Am Öffnen und Schliessen der Blüten verschiedener Blumen nämlich kann man die Tageszeit ablesen: Sandmohn, Reiherschnabel, Sommeradonis, Ackergauchheil, aber auch Ringelblume, Habichtskraut, Zaunwinde und Pfingstnelke sind Zeitanzeiger. 

Wir erläutern aber auch, woher der Begriff des „roten Faden“ stammt (als eine Art Markierung wurden in die Seile der britischen Marine rote Fäden eingedreht) und berichten von unserem Plan, ein Hochseetau der Werft in Szczecin (PL) nach Marseille, also vom baltischen Meer ans Mittelmeer zu transportieren, und wir eventuell eine Station mit dem Tau in Jenaz einplanen. Auch haben wir durch einen glücklichen Zufall vier Tage zuvor an der Preisverleihung für Peter Trachsel einen Gewährsmann kennengelernt, der uns beredt Auskunft geben konnte über den Frachter, der den Namen der Gemeinde Jenaz trägt: „Maersk Jenaz – Sailed from Auckland Australia on September 14 with destination Balboa (Panama Canal) where she is expected to arrive September 29. The ship is presently in navigation in the South Pacific Ocean at about one day of navigation time until she will be passing between South of Galapagos and Equator. She is loaded with 1089 containers out of which 7 are empty and 360 are refrigerated. 21 crew members + 2 cadets on board. Master: Captain José Luis Schaefli, born 1960, swiss national, residing in Argentinia“. 

Diese erste offizielle Begegnung mit der Bevölkerung war – wie wir finden – eine sehr schöne Zusammenkunft. Vieles wurde erst jetzt greifbar, und zur Erheiterung trug dann auch Urban Mathis mit launigen Worten bei – ihm gefalle das Projekt, gäbe es doch genug und auch Amüsantes zu reden.