
Dienstag, 16. Juni 2009
Freitag, 17. April 2009
Boris Nielsony

Als kleines Museum hab ich die 'Exponate' in mir eingefaltet und bin als neugieriger Museumsdirektor aufgeregt, wo und was und wie und wer etwas sehen möchte.
Ausfalten, Entfalten und wieder Einfalten.
Dienstag, 30. Dezember 2008
2009 Was für 'ne Sorte Zeit?
"Zeit? Bloß so Zeit? Nein, mein Guter, das ist keine Teufelsware. Dafür verdienten wir nicht den Preis, dass das Ende uns gehöre. Was für 'ne Sorte Zeit, darauf kommts an! Große Zeit, tolle Zeit, ganz verteufelte Zeit, in der es hoch und überhoch hergeht, – und auch wieder ein bisschen miserabel natürlich, sogar tief miserabel, das gebe ich nicht nur zu, ich betone es sogar mit Stolz, denn so ist es ja recht und billig, so ists doch Künstlerart und -natur." (Thomas Mann, Doktor Faustus)

Im Jahr 2009 setzen wir das Projekt "Faden_Zeit" fort.
Die Künstler

Klara Schilliger & Valerian Maly
+41 (0)79 231 66 12
Die beiden heute in Bern lebenden Künstler Klara Schilliger (*1953 in Sursee) und Valerian Maly (*1959 in Tübingen) arbeiten seit 1984 gemeinsam in den Bereichen Performance Art und Installation. Für einige spezifische Werke (meist mit direktem Einbezug des Publikums) verwenden sie neuerdings den Begriff der „InstallAction“.
Die intermediären Installationen und Performances sind oft – nicht ausschliesslich – ortsbezogene Interventionen, denen projektbezogene Recherchen vorausgehen.
So entwickeln sie in der Regel für jeden Aufführungsort oder Ausstellungsraum kontextbezogene Werke, die sich in bester Tradition in intermediären Bereichen gestalten; immer mittendrin und nie dazwischen.
Im Prättigau konnten sie auf Einladung von Peter Trachsel/ dieHasena – Institut (für) fliessenden Kunstverkehr – schon zwei Arbeiten realisieren. Zum einen drehten sie 1999 mit einer Schulklasse aus Pany und einer Klasse aus Köln das Video „Pany Streifen – Köln Streifen“ (die Kinder, ausgestattet mit einer High-End-Kamera, reichten – einem Staffenttenlauf gleich – die laufende Kamera weiter und filmten ihren Schulweg), zum anderen waren sie 2004 im Rahmen von „Fremde im Prättigau“ drei Wochen in der Gegend von St.Antönien mit ihrem Projekt „Mit fremden Federn schmücken“ unterwegs (ein Klavier wurde in seine Einzelteile zerlegt, und überall dort, wo sie auf ihren Wanderungen eine Vogelfeder fanden, tauschten sie diese mit einem Klavierhämmerchen, Klaviersaite oder Dämpfungsfilz aus). Klara Schilliger und Valerian Maly bewegen sich selbstverständlich zwischen den verschiedenen Genres der Künste, ohne aber vermeintlich verlockender multimedialer Überfrachtung zu verfallen: „Es gilt einen Standort zu finden inmitten der Turbulenzen der Werte, aus denen Kunst entspringt.“ (Harold Rosenberg, The Tradition of the New, N.Y. 1960)
Nun sind wir gespannt und angespannt zugleich; gespannt, weil jeder fremde Ort viel Neues, Unbekanntes birgt, das es zu entdecken gilt, angespannt andererseits aber auch ob der Leere, gibt es doch noch keine greifbare Idee, keinen „Auftrag“, nichts wirklich Fassbares. Fernab kunstbetrieblicher Hektik kommen wesentliche Fragen auf: Braucht es Kunst – besonders hier – überhaupt, braucht es „künstlerische Interventionen“, kann nicht alles selbstgenügsam (ver)bleiben? Reflektionen, nach Innen, nach Aussen. Was wir nicht haben, auch nicht wollen: Mit einer vorgefertigten Idee im Gepäck ankommen, diese an Ort und Stelle ausführen, dem Ort überstülpen – eine Zwangsbeglückung oder Ortsmöblierung mit Kunst. Vielmehr möchten wir aus den situativen Gegebenheiten schöpfen, um daraus eine Idee wachsen zu lassen... „Nee die Ideen“... (vorwärts und rückwärts zu lesen...)„Die Leere“ – so der Philosoph Martin Heidegger in seinem Essay Die Kunst und der Raum – „ist mit dem Eigentümlichen des Ortes verschwistert und darum kein Fehlen, sondern ein Hervorbringen. Wiederum kann uns die Sprache einen Wink geben. Im Zeitwort „leeren“ spricht das „Lesen“ im ursprünglichen Sinne des Versammelns, das im Ort waltet. Das Glas leeren heisst: es als das Fassende in sein Freigewordenes versammeln. Die aufgelesenen Früchte in einen Korb leeren heisst: ihnen diesen Korb bereiten. Die Leere ist nicht nichts. Sie ist auch kein Mangel. In der plastischen Verkörperung spielt die Leere in der Weise des suchend-entwerfenden Stiftens von Orten.“
Klara Schilliger und Valerian Maly, Jenaz 06.04.08
Mittwoch, 15. Oktober 2008
Traubenzeit
Jenaz_26.–28.09.08_Präsentation_Apéro
Bei spätsommerlichem Wetter (oder ist nun doch schon Herbst?) hängen wir die Kleinplakate für den Apéro an die paar über die Gemeinde verstreuten Anschlagbretter. Einmal sind sie an einem Schuppen, ein ander Mal direkt an Hauswände montiert. Übersät mit Heftklammern, Reisnägeln und kleinsten Papierfetzen künden die verwitterten Bretter von vergangenen Veranstaltungen. Hier findet sich der Seniorennachmittag neben der Ankündigung für das Dorftheater, die Pragger Buramusik hängt neben einem Plakat mit böse drein blickenden Männern in Leder- und Nierenkluft der Heavy-Metal Band Judas Priest (dass es die noch gibt, die gabs ja schon in den 70ern!!!). Vereinzelt finden sich aber auch Vermisstanzeigen von weggelaufenen Büsis oder halbgewerbliche Angebote von Landmaschinen. Ein Biker-Club plant eine zweitägige Pässefahrt und wir planen den Apéro, an dem wir die Bevölkerung über unser Vorhaben informieren wollen.
Am Samstag arbeiten wir im alten Schulhaus und bereiten unsere Präsentation vor. Wiederum sind wir angetan von der Ruhe und der Atmosphäre, die das Schulzimmer ausstrahlt. Wir legen Bildmaterial und Texte zum Thema „Faden_Zeit“ aus und präsentieren das „Jenazer Taschentuch“ und unsere Edition mit Anteilschein zum roten Faden. Im Auftrag der Gemeinde kaufen wir Wein, Käse und Brot. Das verschafft uns auch Einblick in einen imposanten Käsekeller: Im „Schlössli“ - einem städtisch anmutenden Palais inmitten stattlicher Strickhäuser - wird in den Kellergewölben, hinter dicken Mauern Käse von den Jenazer Alpen Alpnova und Larein gelagert. Frau Luzi führt uns durch die Gewölbe, erklärt uns die verschiedenen Reifestadien der Käse und erzählt vom Haus und dessen Erbauer.
Am Sonntag nun ist es soweit. Die Fenster werden noch mit Transparentfolien beklebt, auf denen sich Wörter wie „Zeitkappe“, „Fadenzähler“ und „Zeitirrlicht“ vor die Landschaftsausschnitte schieben. Der Um Viertel nach elf treffen die ersten BewohnerInnen von Jenaz im alten Schulhaus ein. Nach einer kurzen Einführung – wie immer schweifen wir auch ab – erläutern wir unsere „Faden_Zeit“, unsere verschiedenen Vorhaben. Auffallend, besonders in dieser Jahreszeit, sind ja in Jenaz die üppigen und liebevoll gepflegten Gärten. Und so planen wir ab nächstem Jahr auch einen gärtnerischen Beitrag zu leisten, in dem wir eine Rekonstruktion von Carl von Linnés Blumenuhr in einem Jenazer Garten anlegen. Am Öffnen und Schliessen der Blüten verschiedener Blumen nämlich kann man die Tageszeit ablesen: Sandmohn, Reiherschnabel, Sommeradonis, Ackergauchheil, aber auch Ringelblume, Habichtskraut, Zaunwinde und Pfingstnelke sind Zeitanzeiger.
Wir erläutern aber auch, woher der Begriff des „roten Faden“ stammt (als eine Art Markierung wurden in die Seile der britischen Marine rote Fäden eingedreht) und berichten von unserem Plan, ein Hochseetau der Werft in Szczecin (PL) nach Marseille, also vom baltischen Meer ans Mittelmeer zu transportieren, und wir eventuell eine Station mit dem Tau in Jenaz einplanen. Auch haben wir durch einen glücklichen Zufall vier Tage zuvor an der Preisverleihung für Peter Trachsel einen Gewährsmann kennengelernt, der uns beredt Auskunft geben konnte über den Frachter, der den Namen der Gemeinde Jenaz trägt: „Maersk Jenaz – Sailed from Auckland Australia on September 14 with destination Balboa (Panama Canal) where she is expected to arrive September 29. The ship is presently in navigation in the South Pacific Ocean at about one day of navigation time until she will be passing between South of Galapagos and Equator. She is loaded with 1089 containers out of which 7 are empty and 360 are refrigerated. 21 crew members + 2 cadets on board. Master: Captain José Luis Schaefli, born 1960, swiss national, residing in Argentinia“. 
Mittwoch, 24. September 2008
Apéro "einfädeln - ausfädeln"

Einladung zum Apéro
Sonntag, 28. September, 11.15 Uhr
im alten Schulhaus Jenaz
Die beiden in Jenaz tätigen Künstler Klara Schilliger und Valerian Maly informieren über den aktuellen Stand ihres Projektes „Faden_Zeit“ für das Museum in Bewegung.
Auch präsentieren sie ihre erste Edition, das „Jenazer Taschentuch“ zum Teilprojekt „einfädeln – ausfädeln“.
Für das gleichnamige Projekt mit dem roten Faden können Anteilscheine erworben werden.
